Hamburg das bedeutet im Moment: Eisschollen auf der Elbe. Die zugefrorene Außenalster. Moderne Gebäude in der Innenstadt und alte gerade so noch verteidigte Gängeviertel. In der Wexstraße 7 gibt es ein Modell dieser Innenstadt zu sehen. Es ist aus Lindenholz gefertigt. Ältere Gebäude sind weiß, neuere orange. Die Hafencity ist dort – orange – inklusive der Elbphilharmonie. Der Eintritt ist frei und eine freundliche, etwas punkige Dame in ihren Vierzigern gibt Auskunft.
Außer mir gab es noch zwei andere Besucherinnen. Beide machten einen intellektuellen Eindruck, graue Haar, um die fünfzig. Eine von beiden war aufmerksam, interessiert und stellte Fragen. Sie hatte bemerkt, dass in den Gebieten entlang der Elbe, die etwas außerhalb der Innenstadt liegen, die Bebauung relativ niedrig gehalten war. Gab es dort Bauvorschriften? Ja. Und wie kommt es dann, dass es in Innenstadtnähe so viele hohe Häuser gibt – gelten dort andere Bauvorschriften? Nein, dort gibt es die selben, aus diesem Grund ist dieses Haus – die Besucherbetreuerin deutet mit einem roten Laserpointer auf eines der Gebäude mit Blick auf die Elbe - auch mit Durchbrechungen gebaut worden. Sehr absurd. Alle waren sich einig. Aber warum tut denn die Stadt nichts gegen diese Bauherren und sorgt dafür, dass die Bauvorschriften eingehalten werden? Vielleicht sind die Bauherren und Stadtherren die selben, vermutet die Besucherbetreuerin vorsichtig. Bedachtes Nicken. Die Besucherbetreuerin berichtet von zugebauten Spielplätzen, Parks. Und alles für Bürogebäude, die dann an anderer Stelle doch wieder leer stünden.
Ich schaute mir derweil das Frappant aus der Nähe an oder besser, ich suchte die Große Bergstraße. Die Große Bergstraße ist eine breite Einkaufsstraße aus der Nachkriegszeit. Das Frappant ein inzwischen fast leer stehendes Hochhaus: Beton und Stahl im Stil der 1970er. Früher war es Karstadt und versetzte in Erstaunen, heute ist es nur noch häßlich. Ganz anders dagegen, bemerkte jetzt eine der Besucherinnen auf der anderen Seite des Stadtmodells, die Elbphilharmonie. Sie würde schön werden, da sei sie sich sicher.
Es war dieses „schön“ was mich erstaunte. Dieses schön rechtfertigte alles: die Bebauung gegen die bestehenden Regeln, die Milliardenkosten, die Verdrängung von Gemeinschaftsplatz, die vorher beschrieben wurden. Solange es doch schön ist. Dann passt es zum schönen Hamburg auf eine Weise, wie das Frappant eben nicht dazu passt – es soll abgerissen werden, ersetzt mit einem (schönen?) IKEA. Dieses „schön“ ist unglaublich machtvoll. Aber was bedeutet es genau? Was umfasst es? Woher bezieht es seine Kraft?
http://frappant.blogsome.com/
http://www.hamburg.de/stadtmodell/
Sunday, 24 January 2010
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